Arbeiten Kat
Beizraum
Die Arbeit Beizraum entstand während einer vollen Wachstumsperiode auf einer kleinen Insel in Britisch-Kolumbien, Kanada. In dieser Zeit wurden circa einhundert, das visuelle Erscheinungsbild prägende, häufig vorkommende und somit ethisch verarbeitbare Pflanzen, Flechten und Pilze gesammelt und aus diesen Pigmente isoliert, mit denen wollene Streifen gefärbt wurden. Die Fundorte des Färbematerials wurden auf einer Karte der Insel vermerkt und die Stoffstreifen mit Etiketten versehen, die auf den Ort auf der Karte und verwendete Beizen querverweisen. Die aus den Färbungen entstandene Rauminstallation ist ein Portrait der Flora der Insel – interaktiv und sensuell zum Begehen, Anfassen, Erforschen und Lernen einladend. Der Titel Beizraum wurde von einem originalen Schild an der Tür des Ausstellungsraumes entlehnt, einer alten leer stehenden Produktionshalle. Wahrscheinlich wurde dort Metall geätzt, was ein zufälliger Verweis auf das Beizen der Stoffe zur Färbevorbereitung ist.



Blaumacherei
Blaumacherei ist ein fortlaufendes Projekt, das sich dem natürlichen Färben widmet. Das Färben wird dabei als künstlerische Praxis, soziale Intervention und als Form der Interaktion verstanden – zwischen Pflanzen, Menschen und Umwelt. Das Projekt bewegt sich zwischen Kunst, Handwerk und Botanik und versteht sich als ein Weg, um Räume zu schaffen, in denen auf kreative Weise ein ökologischer und nachhaltiger Blick auf Umgebung, Nutzung von Materialien und Natur entstehen kann.






Arbeiten Lena




(Don’t) Touch Me
(Don’t) Touch Me besteht aus vier keramischen Objekten (je 42 cm x 47 cm x 20 cm), deren Form an, in spielerischen oder ergotherapeutischen Kontexten eingesetzten, Motorikschleifen erinnert – Elemente, um frühkindliche Feinmotorik, Hand-Auge- Koordination, räumliches Denken sowie das visuelle Verständnis für Farbe und Form zu fördern. Thematisiert werden Transformationsprozesse, die sowohl das Material als auch die gestaltende Person während des Herstellungsprozesses durchlaufen. Im Zentrum stehen Berührung, damit verbundene persönliche Grenzen, der notwendige Konsens und die Achtsamkeit, die Berührung begleitet. Die Arbeit löst sich von der rigiden Unterbindung taktiler Erfahrung, wie sie in institutionellen Kunstkontexten häufig anzutreffen ist, und eröffnet einen Raum für bewusste haptische Interaktion. Das Verhalten der Betrachter:innen im Umgang mit den Objekten beeinflusst dabei unmittelbar die auditive Wahrnehmung: Je nachdem, mit welcher Sorgfalt die Elemente entlang der Schleifen bewegt werden, entsteht – materialbedingt – ein kratzendes, widerständiges Geräusch oder eine nahezu geräuschlose, fließende Bewegung.




Bacillariophyceae
Bacillariophyceae ist die wissenschaftliche Bezeichnung für mikroskopisch kleine, photosynthetisch aktive Kieselalgen (Diatomeen), die planktisch oder am Gewässerboden in Süß-und Salzwasser vorkommen. Die Arbeit übersetzt ihre im Durchschnitt nur rund 40 Mikrometer großen, glasartigen Kieselskelette – weit feiner als ein menschliches Haar – vom Mikromaßstab in eine raumgreifende, biomorphe Installation. So wird eine sonst verborgene Struktur der Natur körperlich, räumlich und sinnlich zugänglich. Kieselalgen spielen eine zentrale Rolle im marinen Kohlenstoffkreislauf. Sie nutzen im Wasser gelöstes Kohlendioxid, um neues organisches Material aufzubauen. Nach ihrem Absterben sinken sie in die Tiefe und tragen dazu bei, Kohlenstoff langfristig im Meeresboden zu binden. Bacillariophyceae nimmt diese unscheinbaren Akteur:innen des globalen Stoffwechsels ernst und hebt sie als fragile, aber wirkmächtige Ko- Produzent:innen unserer Umwelt hervor. Die regelmäßig gewobenen Maschen des Drahtes verweisen auf die hochgradig geordneten, symmetrischen Poren der Kieselskelette. Unterschiedliche Maschenweiten wurden ineinander verwoben, um die komplexe Struktur möglichst zu imitieren. Der Drahtkörper ist Schicht für Schicht mit Kieselgur – sogenannter Diatomeenerde – umhüllt, deren feinkörnige Materialität die mineralische Hülle der Algen nachzeichnet. Kieselgur entsteht, wenn Kieselalgen absterben, ihre organischen Bestandteile zersetzt werden und die Siliziumdioxid-Schalen sich als Sediment am Grund von Seen und Ozeanen ablagern. In einem Milliliter Kieselgur befinden sich über eine Milliarde Diatomeenschalen und deren Bruchstücke. Für Bacillariophyceae wurden so rechnerisch knapp 30 Billionen dieser mikroskopischen Skelette verarbeitet.