Eine Besonderheit des Programms „Das fliegende Künstlerzimmer“ ist, dass es einen eigenen Raum „mitbringt“. Dieser dient als Wohn- und Atelierraum für den:die Künstler:in sowie als Arbeits-, Lern- und Kreativort für alle Beteiligten.

Die Architekten Prof. Nikolaus Hirsch und Prof. Dr. Michel Müller haben sich mit ihrem Entwurf der Herausforderung gestellt, diesen flexiblen Raum zu entwickeln. Die Ästhetik eines klassischen Künstler:innen-Ateliers hat dabei eine genauso wichtige Rolle gespielt wie die Möglichkeit, darin zu wohnen und den Gesamtraum gleichzeitig für verschiedene kreative Formate bzw. Arbeitssituationen flexibel und funktional nutzbar machen zu können. 

„Die Frage war, wie man einen Ort für Kunst schaffen kann, der ‚fliegt‘, das heißt, der nicht dauerhaft an einem Ort fixiert ist, sondern wandert. Die Herausforderung war dabei, einen Bau zu entwickeln, der mobil ist, ohne dass das Mobile zum Selbstzweck wird, ohne dass er dem Klischee des fliegenden Baus entspricht. Daher war es essentiell, dass dies nicht die Form eines klassischen Containerbaus annimmt (wie bei den meisten schulischen Behelfsbauten), sondern trotz aller technischen Parameter ein eigenständiges architektonisches Vokabular entwickelt.“

(Prof. Nikolaus Hirsch & Prof. Dr. Michel Müller, Architekten)


Der ca. 7,50 x 11 Meter große Bau ist von außen an ursprünglich drei, mittlerweile zwei Seiten geschlossen und hat eine kleinteilige Holzschindelfassade, die bewusst den Maßstab des Gebäudes im Unklaren lässt. Im Inneren ist ein großzügiger, von oben natürlich belichteter Atelierraum entstanden, dessen lichte Höhe von bis zu 3,50 Metern über ein standardisiertes Containermaß hinausreicht und dadurch einmal mehr Atelieratmosphäre erzeugt.

Mit dem Beschluss der Crespo Foundation im Herbst 2021, das Programm „Das fliegende Künstlerzimmer“ um drei weitere Schul-Standorte sowie den Standort im Frankfurter Stadtteil Preungesheim zu erweitern, überarbeiteten die Architekten gemeinsam mit dem Designer Lukas Wegwerth ihren Anfangsentwurf von Grund auf, wobei die Basis-Struktur des Wohnmoduls und Atelier-Raums sowie die Holz- und Schindelästhetik beibehalten wurden. Auch wurden bei der Umsetzung Themen wie Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit sowie eine neue Durchlässigkeit und Öffnung in den Außenraum durch Hinzufügen einer weiteren Türe nach hinten stärker berücksichtigt.

„Nachhaltig bauen bedeutet für mich unter anderem, dass wir lokale Ressourcen achtsam und sparsam einsetzen. Wie können wir mit dem, was wir vor Ort haben, sinnvoll und langlebig bauen?‘ Dafür kann man im ländlichen Raum sehr viele Beispiele finden – hauptsächlich in Form von historischen Gebäuden. Es gibt also viel altes Wissen, das scheinbar in Vergessenheit geraten ist. Schindeln sind ein Beispiel hierfür: Sie sind ein hoch effizienter Schutz gegen Witterung. Sie sind sehr dünn, sodass sie schneller trocknen als ein Pilz sie angreifen kann. Es gibt viele ähnliche Beispiele, die zeigen, dass modernes langlebiges und verantwortliches Bauen auf historisches Wissen aufbauen, es anwenden und potenziell weiterentwickeln kann.“

(Lukas Wegwerth, Designer)